Album. Es ist sehr oft beim Musikhören von Vorteil, sich - so gern man die Musik vielleicht mag - so wenig wie möglich über die dahinterstehende Band zu erfahren. Viele Musiker sind, wollen wir ehrlich sein, dummschwätzende Blödmänner.
Dann gibt es Bands, bei denen man doch etwas verpasst, wenn man die äußeren Umstände ignoriert, wie z.B. Metallica...
HALT! Weshalb man sich mal kurz mit den Herren beschäftigen sollte? Haben wir es hier etwa mit tiefgründigen, anspruchsvollen Menschen zu tuen? Deffinitiv nicht, doch Metallica vereinigen dermaßen viele Negativeigenschaften auf einen Haufen, das es einen wundern und auch erheitern muss, das ich diese Platte hier am 1. Tag (!) nach dem Release vorstelle. Leider kann man nun mal nicht moralisch hören.
Also wo fangen wir an?
Die berühmten Klagewellen gegen die eigenen Fans im Zuge der Napster-Downloads zur Jahrhundertwende sind weitläufig bekannt. Ausschlachtung der Hörerschaft durch Sondereditionen (u.a. so eine 25 Euro Vorab-bestell-für-Online-Content-Variante zum neuen Album) betreibt die Band momentan schon bis ins Absurde. Dann gibt es da den guten Hetfield, der zwar ohne Zweifel das wichtigste Bandmitglied ist und durch seine Riff-Gebolze durchaus das Metal-Genre geprägt hat, der aber dumm wie ein Stück Brot ist.
Der andere wichtige Kopf, Lars Ulrich, drischt seit Jahren vollkommen gefühllos und stumpfsinnig auf sein Schlagzeug ein (auch wenn er scheinbar beim Songwriting eine wichtige Rolle spielt und deshalb zumindest Daseinsberechtigung hat).
Witziger wird das ganze noch dadurch, das der ehemaliger Bassist Newsted damals nach seinem Ausstieg bei der quasi unsympatischten Thrash Metal Gruppe (Metallica) zur vielleicht sympatischten, für alle Zeit mit Unbekanntheit gestraften Dreschflegelgruppe (Voivod) wechselte.
Genug jetzt mit Zirkusbesuch, denn zumindest auf diesem Album ist der Inhalt dann doch über die Verpackung erhaben.
Metallica - death magnetic
oder: Highlights 2008, Teil 4; METALLICA IN DEN HIGHLIGHTS ??? WAS DENN HIER LOS???
oder: ride the lightning extended
oder: ausuferndes Thrash Metal Album, das knallt und groovt
Wenn Bands im Alter an alte Glanztaten anzuknüpfen versuchen, dann ist das eigentlich noch ein Stück verzweifelter als das Einspielen der größten Hits mit einem Symphonie-Orchester (hust). Das gerade Metallica damit aber Ihr vielleicht bestes und rundestes Songmaterial bieten, damit hätte ich zumindest nicht gerechnet.
Die Formel dafür ist relativ einfach: So ausufernde, monumentale Stücke wie (ganz) früher, dazu die Melodie und Popbereitschaft, die spätestens seit dem schwarzen Album mit all seinen Welthits vorhanden war.
Kirk Hamlett (den hatte ich bisher noch garnicht erwähnt) darf endlich mal abgefahrene Gitarrensolos im letzten Drittel der Songs bringen, und wird nicht so furchtbar zusammengeschnitten, wie es bei den meisten Metallicastücken seit den 90ern leider der Fall ist.
Die Texte sind natürlich wieder absolut beliebiger Blödsinn über Untergang und Dunkelheit, aber hey, es ist ja auch Metallica. Hetfield kann singen, das kann man zumindest nicht leugnen.
Um auf die Sache mit den alten Glanztaten einzugehen: Man bedient sich wirklich an den besten Stücken des eigenen Back-Katalogs. "The end of the line" ist eine moderne Version von DER Metallica Hymne "master of puppets" und groovt dazu noch unheimlich toll. "The unforgiven III" ist wie seine beiden Vorgänger eine großartige Halbbalade und besitzt ein göttliches Gitarrensolo. Das Instrumentalstück "suicide & redemption" ist zwar aufgrund seines direkten Songeinstiegs nur ansatzweise mit dem (ebenfalls instrumentalen) Übersong "the Call Of Ktulu" verwand, darf aber mit Fug und Recht den 2 Platz unter den besten Liedern der Band hinter eben jenem Stück einnehmen.
Ulrich als Stampfmaschine ist (natürlich) mehr Teil des Gesamtsound als eine eigene, musikalisch wahrzunehmende Kraft (Ausnahmen bestätigen die Regel), aber auf diesem Album erfüllt er damit seinen Zweck, allein der herrlich Gitarrensektion wegen.
Umbedingt ein Ohr riskieren, das hier ist eines der ganz großen Kompromiss-Metal Alben des Jahres, und kann unheimlich Spass machen. Egal von was für einer Band es stammt.








