• Metallica - death magnetic

    Album. Es ist sehr oft beim Musikhören von Vorteil, sich - so gern man die Musik vielleicht mag - so wenig wie möglich über die dahinterstehende Band zu erfahren. Viele Musiker sind, wollen wir ehrlich sein, dummschwätzende Blödmänner.
    Dann gibt es Bands, bei denen man doch etwas verpasst, wenn man die äußeren Umstände ignoriert, wie z.B. Metallica...

    HALT! Weshalb man sich mal kurz mit den Herren beschäftigen sollte? Haben wir es hier etwa mit tiefgründigen, anspruchsvollen Menschen zu tuen? Deffinitiv nicht, doch Metallica vereinigen dermaßen viele Negativeigenschaften auf einen Haufen, das es einen wundern und auch erheitern muss, das ich diese Platte hier am 1. Tag (!) nach dem Release vorstelle. Leider kann man nun mal nicht moralisch hören.
    Also wo fangen wir an?
    Die berühmten Klagewellen gegen die eigenen Fans im Zuge der Napster-Downloads zur Jahrhundertwende sind weitläufig bekannt. Ausschlachtung der Hörerschaft durch Sondereditionen (u.a. so eine 25 Euro Vorab-bestell-für-Online-Content-Variante zum neuen Album) betreibt die Band momentan schon bis ins Absurde. Dann gibt es da den guten Hetfield, der zwar ohne Zweifel das wichtigste Bandmitglied ist und durch seine Riff-Gebolze durchaus das Metal-Genre geprägt hat, der aber dumm wie ein Stück Brot ist.
    Der andere wichtige Kopf, Lars Ulrich, drischt seit Jahren vollkommen gefühllos und stumpfsinnig auf sein Schlagzeug ein (auch wenn er scheinbar beim Songwriting eine wichtige Rolle spielt und deshalb zumindest Daseinsberechtigung hat).
    Witziger wird das ganze noch dadurch, das der ehemaliger Bassist Newsted damals nach seinem Ausstieg bei der quasi unsympatischten Thrash Metal Gruppe (Metallica) zur vielleicht sympatischten, für alle Zeit mit Unbekanntheit gestraften Dreschflegelgruppe (Voivod) wechselte.

    Genug jetzt mit Zirkusbesuch, denn zumindest auf diesem Album ist der Inhalt dann doch über die Verpackung erhaben.


    Metallica - death magnetic

    oder: Highlights 2008, Teil 4; METALLICA IN DEN HIGHLIGHTS ??? WAS DENN HIER LOS???
    oder: ride the lightning extended
    oder: ausuferndes Thrash Metal Album, das knallt und groovt

    http://i20.photobucket.com/albums/b245/hurga/death.jpg

    Wenn Bands im Alter an alte Glanztaten anzuknüpfen versuchen, dann ist das eigentlich noch ein Stück verzweifelter als das Einspielen der größten Hits mit einem Symphonie-Orchester (hust). Das gerade Metallica damit aber Ihr vielleicht bestes und rundestes Songmaterial bieten, damit hätte ich zumindest nicht gerechnet.
    Die Formel dafür ist relativ einfach: So ausufernde, monumentale Stücke wie (ganz) früher, dazu die Melodie und Popbereitschaft, die spätestens seit dem schwarzen Album mit all seinen Welthits vorhanden war.
    Kirk Hamlett (den hatte ich bisher noch garnicht erwähnt) darf endlich mal abgefahrene Gitarrensolos im letzten Drittel der Songs bringen, und wird nicht so furchtbar zusammengeschnitten, wie es bei den meisten Metallicastücken seit den 90ern leider der Fall ist.
    Die Texte sind natürlich wieder absolut beliebiger Blödsinn über Untergang und Dunkelheit, aber hey, es ist ja auch Metallica. Hetfield kann singen, das kann man zumindest nicht leugnen.

    Um auf die Sache mit den alten Glanztaten einzugehen: Man bedient sich wirklich an den besten Stücken des eigenen Back-Katalogs. "The end of the line" ist eine moderne Version von DER Metallica Hymne "master of puppets" und groovt dazu noch unheimlich toll. "The unforgiven III" ist wie seine beiden Vorgänger eine großartige Halbbalade und besitzt ein göttliches Gitarrensolo. Das Instrumentalstück "suicide & redemption" ist zwar aufgrund seines direkten Songeinstiegs nur ansatzweise mit dem (ebenfalls instrumentalen) Übersong "the Call Of Ktulu" verwand, darf aber mit Fug und Recht den 2 Platz unter den besten Liedern der Band hinter eben jenem Stück einnehmen.
    Ulrich als Stampfmaschine ist (natürlich) mehr Teil des Gesamtsound als eine eigene, musikalisch wahrzunehmende Kraft (Ausnahmen bestätigen die Regel), aber auf diesem Album erfüllt er damit seinen Zweck, allein der herrlich Gitarrensektion wegen.

    Umbedingt ein Ohr riskieren, das hier ist eines der ganz großen Kompromiss-Metal Alben des Jahres, und kann unheimlich Spass machen. Egal von was für einer Band es stammt.

  • Fleet foxes - blue ridge mountains

    Video. Kleiner Nachtrag zur Fleet Foxes Besprechung. Wunderschöner Performance.

  • Fleet foxes - fleet foxes

    Musik. Wenn die Hype-Maschinerie erstmal angelaufen ist, kann sie eigentlich niemand mehr aufhalten. Pitchfork liebt die Füchse, Allmusic spricht in hohen Tönen von ihnen, und seit dieser Woche hat auch den Spiegel und plattentests.de die Hysterie gepackt. Da will ich mich auch noch schnell einreihen, bevor dann morgen wahrscheinlich die Visions, die Bravo und der Verein deutscher Höhrgeschädigter eine Strophe des Lobesliedes übernehmen.

    Vorab: Die Begeisterung ist (ausnahmsweise) vollkommen gerechtfertigt, und diese Band ist der großartigste Export aus Seattle seit Nirvana Pearl Jam Alice in Chains Starbucks eröffnet wurde.

    Fleet foxes - fleet foxes (2008)

    http://i20.photobucket.com/albums/b245/hurga/fleetfoxes.jpg
    oder: Lieblingsplatten 2008, dritter Teil
    oder: Hippies, Waldschrate,Countrysänger und Brian Wilson nehmen ein gemeinsames Album auf
    oder: bunter Minimalismus

    Manchmal wird man Musikern nicht gerecht, wenn man ihre Stücke als Summe von einzelnen Teilen (richtig, das war Kante) sieht. Das gilt für schöne, intime Kleinode, wie sie die Fleet foxes produzieren ganz besonders, aber leider ist mir kein besserer Einstieg eingefallen. Aaaalso:

    Die F(/f?)lotten Füchse reduzieren Musik so weit wie möglich auf eine Akkustikgitarre und gelegentliche Stampftrommeln (manchmal klingt das schon sehr nach Indianern und Kriegsbeilen) und packen die eigentlich minimalistischen Stücke dann an den absolut richtigen Stellen mit fantastischen Instrumentalideen voll (um die Selbstbeschreibung aus der ebenfalls in diesem Jahr erschienen "sun giant EP" zu zitieren: "we all played many an instrument, an itemized and individualized list would be egoistical and tiresome"). Ansonsten lebt das Album vorallem von wunderschönen Gesangslinien und Chorspielereien, die manchmal (man höre sich nur "he doesn't know why") wie geheime Highlights der Beach boys klingen, die erst vor kurzem in einer verstaubten Waldhütte gefunden wurden.

    Hübsches Video für ein hübsches Lied: "White winter hymnal" mit wundervollem, harmonischen Gesang. (mp3 beim label sub pop: http://www.subpop.com/assets/audio/4264.mp3 ).

    Oftmals wendet man sich aber auch von den (ohne Zweifeln großartigen) Beach boys ab, und kopiert nicht die zuckersüßen, quietschebunten Wilson-Söldner, sondern bedient sich dann lieber beim amerikanischen Country. Das kann sich in rührseeliger Naturverbundenheit äußern ("meadowlarks"), oder in Form eines Früher-war-alles-richtig-und-wir-drehen-jetzt-das-Rad-zurück Songs ("blue ridge mountains"). Wer gerne Naivität oder Kitsch kritisiert, den packt bei solchen Songs natürlich das nackte Entsetzen. Anders können solche Stücke aber auch nicht funktionieren.
    Ein weiteres Beispiel ist das letzte Lied "Oliver James". Man kann sich fast schon vorstellen wie sich "MTV unplugged CDs" Abends, wenn sie wieder in der CD-Hülle stecken, kleine Kopfhörer aufsetzten und dann mit offenem Mund dieses Akkustikstück anhören (ok, man kann es sich nicht vorstellen, ich geb es ja zu).

    Highlights zu suchen ist da wahre Ketzerei, aber wenn man denn umbedingt eine Empfehlung braucht damit es funkt: Bitte in "your protector" reinhören, das Flötenarrangements, 70er Orgeln, einen epischen Refrain und die bereits erwähnten Kriegstrommeln kombiniert. Hätte Sergio Leone eine Hippiefilm (mit Schießereien und Dreck) gedreht, dieses Stück wäre bestens dafür geeignet gewesen.

    Jetzt genug mit an den Haaren herbeigezogenen Vergleichen, das ist Musik die (umbedingt) gehört werden will. Ebenfalls dicke Kaufempfehlung gibt es für die 18-minütige "sun giant EP", deren Stücke den oben genannten in nichts nachstehen. Sowohl vom Album wie auch der EP gibt es (wie immer) auf myspace noch ein paar Hörproben.

  • Meshuggah - Obzen

    Musik. Eine neue (hoffentlich umfangreiche) Reviewrunde soll heute ihre Initialzündung bekommen. Dazu erstmal ein Album, vor dessen Besprechung ich mich mehrere Monate aufs feigste gedrückt habe.

    Meshuggah - Obzen (2008)

    oder: Unterdrückung der Melodie durch den Einzelton
    oder: Lieblingsplatten 2008, zweiter Teil
    oder:  schwedische Ausnahmeband bleibt den von ihr geprägten Dogmen treu, und umgeht den Stillstand mit ihren bisher vertracktesten Stücken und einigen herrlichen, "direkt nach vorne" gezielten Momenten

    Bei einer Stück-für-Stück Besprechung des letzten Meshuggah Albums "catch 33" habe ich die Formulierung "vertonter Schmerz" gelesen. Das war sicherlich nicht falsch, trifft aber eigentlich auf jeden mir bekannten Track der Band zu.
    Um also das ganze ein bischen greifbarer zu machen für Menschen, die den Schweden bisher aus dem Weg gegangen sind: Meshuggah machen knarzende, krumme Musik. Der Radikalität und des keifenden Gesangs wegen könnte man das Death Metal nennen, da das ganze aber schon ziemlich irre mit Takt und Timing spielt, sind die Bezeichnungen Jazz Metal (wohlgemerkt nicht wegen der Instrumente) und Math Metal angemessen. Wer dem Irrsinn überhaupt noch folgen kann, wenn Schlagzeug und der Rest der Band vollkommen verschiedene Takte spielen und diese auch noch untereinander variieren, der sollte sich schon ernsthaft überlegen, bei der Band einzusteigen.
    Dabei unterscheidet sich das ganze stark von dem technischen Gewichse, das man bei den "üblichen, verdächtigen" Virtuosen vor den Latz geknallt bekommt. Ausufernde Gitarrensolos und Melodiebögen muss man sich da garnicht erhoffen. Selbst die Minimalform des Tanzens, sprich das Headbangen, ist eigentlich unmöglich, weil die Rythmen viel zu verwuchert und schräg sind.

    Soviel zum Allgemeinen, jetzt ins Detail, und dem Teufel, der wortwörtlich darin (und eventuell sogar dahinter) steckt. Auf dem 2008er Neuling "Obzen" machen Meshuggah den Einstieg so einfach und zugänglich, wie es ihre Maßstäbe zulassen. "Combustion" hat einen (relativ) nachvollziehbaren Aufbau, einen fixen Spannungsbogen und einen schönen, konsequenten Eröffnungstext:

    No more ifs, no bias, no ambiguity
    No wondering whether this is it
    Clarity to brightly shining
    the images so painfully absolute...

    Danach geht es dann aber los: Bei Stück zwei, "Electric red" kann man es gleich mal aufgeben, das Stück irgendwie in einen logischen Aufbau, Segmente oder zumindeste instrumentale Breaks aufzuteilen, weil das ganze aus einem großen, treibenden Schlagzeug/Bass-Strudel besteht, der in seinem Fluss (Flow für Anglizismusfreunde) wenig Platz für konventionelle Strukturen lässt.

    "Bleed" spielt eine andere große Stärke der Band aus: Das nutzen weniger, manchmal nur EINES EINZIGEN ewig wiederkehrenden Riffs, das nur durch Zeitspielereien Variationen und Charakter erhält. Nach über einer viertel Stunde auch das erste Stück, das eine ruhige Mittelphase besitzt, und für kurze Zeit die Rechenschieber zurück ins Regal verbannt.


    Myspace Versionen von "Bleed" und "Obzen": link.

    Mit dem zentralen Titelstück und dem darauffolgenden "this spiteful Snake" gibt es zur Halbzeit nochmal flotte, swingende (nicht zu ernst nehmen) Meshuggah-light-Stücke, bei denen doch tatsächlich das Schlagzeug mal nicht gegen den Rest der Band spielt und die Hack-alles-nieder-Dynamik ein klein wenig entschärft wird (nicht das sich der Bass an irgendeine Regel halten will oder muss).

    "Pineal Gland Optics" und "Pravus" (jetzt will ich auch mal: klingt beides furchtbar nach vertontem Schmerz) verabschieden sich dann doch wieder in Richtung Hochleistungssport, und spätestens hier wird man bei den ersten Durchgängen einfach eine Pause brauchen, bevor man a) schlichtweg erschlagen ist oder b) gelangweilt weghört.
    Im "Schlußstück "Dancers To A Discordant System" gibt es nocheinmal Begutachtung von allerlei krummen Gewächs, und das erste richtige, große Gitarrensolo, das sich tapfer gegen die allmächtige Rythmusabteilung hält.

    Auf Obzen haben Meshuggah die Perfektion des monotonen/hyptnotischen Vorgängers mit Spritzigkeit und (für sie) ungekannter Leichtigkeit kombiniert. Das ändert nichts daran, dass es sich um das mitunter unzänglichste Highlight des Jahres handelt, bei dem es vielleicht erst nach 50 Durchgängen oder auch nie zu Liebesgefühlen kommt.

  • Southside - der Kuchen

    Lebensmittel. Hier noch Fotos von meinem Southside Kuchen, hergestellt von Sebbi mit architektonischer (?) Hilfe durch den Dak. Hoffe man kann die schönen Details (Betrunkene, Bierflaschen, Zelte, etc...) gut erkennen.

    Herzlichen Dank an das/die kreative/n Hirn/e.

    http://i20.photobucket.com/albums/b245/hurga/sskuchen4.jpg

    http://i20.photobucket.com/albums/b245/hurga/sskuchen5.jpghttp://i20.photobucket.com/albums/b245/hurga/sskuchen5.jpg

    http://i20.photobucket.com/albums/b245/hurga/sskuchen6.jpg

    Demnächst wieder mehr von der Alben-Front.

  • Southside - Weiteres

    Southside.
    Noch eine spontane Sammlung von Sachen die mir gerade so in den Kopf schießen.

    Getränk: Wasser aus dem Hahn. Alles andere leider viel, viel zu teuer.

    Frühstück: Mutterns ruhmreiche Marmelade, die hohes ansehen genossen hat :) .

    Doofste Beschreibung im Southside Programmheft:  Deichkind --> "Drei junge Kadetten möbeln den alten Kutter HipHop wieder auf In der Kombüse mischen sie Tintenfisch-dick pumpende Beats, liquid-flüssige Flows mit edelsten Kaviar-lyrics und garnieren sie anschließend mit ebensoviel Sinn für Humor wie smarter Cleverness."

    Bandzitate:

    Kettcar: "Wir haben noch nie vor so vielen Leuten gespielt. Außer gestern."

    Kettcar: "Setzt euch hin, schlaft ein..." (Publikum setzt sich tatsächlich hin) "...halt, nein halt. Das war nicht ernst gemeint."

    Tocotronic: "Reckt eure linke Faust in den Himmel, um gegen diese Nation und all ihren Hohn und ihren Stolz und ihre Überheblichkeit zu protestieren. Das einzige, was uns bleibt ist die bedingungslose Kapitulation"

    Sympatischtes Publikum: Oceansize, gefolgt von the weakerthans.

    unsympatischtes Publikum: Radiohead.
    Argh, stört mich ja wirklich nicht wenn man diese Band nicht mag, aber wer dann auf einem Radiohead Konzert BLEIBT und REDET gehört schlichtweg erschossen. Das geht einfach mal garnicht.

    Sympatischter Bandauftritt: Enter shikari, the weakerthans

    Furchtbarste Ansagen: the subways

    Größtes Dilemma: Auf 50% Radiohead für den black rebel motorcycle club zu verzichten, und wissen, das man sich bei umgekehrter Situation genauso geärgert hätte.

    Positive Überraschungen in den Setlists:

    Tocotronic eröffnen mit "Freiburg"
    Kettcar spielen "im Taxi weinen"

    Aggressionspotential:
    Megaphone.

    Zu Verbessern:
    Mehr Wasserstellen auf dem Bühnengelände.

    Song-Highlights:
    Tocotronic - Explosion
    Oceansize - the ornament/ last wrongs
    Radiohead - everything in its right place

    Am lautesten gegröhlt hab ich bei:
    Black rebel motorcycle club - shuffle your feet

    Müll: Viel zu viel. Leider. Und auf dem Bühnengelände zu wenig Mülleimer.

    Kuriosität:
    Hendrik und sein illegales Konzert auf dem Bus-Parkplatz.

    Totgehört: Krawall und Remmidemmi.

    Pavillion: 4 zusammengestellte Pavillions, die uns soviel Platz boten, das wir eines davon zum Waschzimmer umfunktionierten.

    Limbo?
    (gespanntes Seil beim Nachbarlager):
    Dak: "Jawoll, Limbo"
    Nachbar: "Wie....  Limbo?"
    Ich (total aggressiv zum Nachbarn): Limbo dich selber.

  • Southside - 3. Tag

    Southside. SONNTAG.

    Letzter Teil des musikalischen Rückblicks auf das Southside. Für stark abweichende Spielpläne gerne mal Manus Wolkenspiel oder andis blog besuchen.

    Krieger
    Ja klar, man geht bei Teutonengesang gerne erstmal in Deckung, da so etwas oft unheimlich doof endet. Aber das hier war eigentlich sehr sympatischer Rock, der gelegentlich sowohl richtung Blues wie auch Stonermucke schielte. Mit 20 Minuten eigentlich viel zu kurz.
    Fazit: Hübsch, und besser als ich es nach dem myspace-Probehören erwartet habe.

    Foals
    Der erste (instrumentale) Track lies so viel erhoffen, aber spätestens beim ersten Gesangseinsatz war es dann doch viel zu nah an der (für mich totlangweiligen) Bloc party. Hab nach 4 Stücken das Weite gesucht.
    Fazit: not my cup of tea

    the international noise conspiracy
    Klassicher Fall "rumhopsender Frontmann" versucht öde Musik zu kompensieren. Was hatte ich nicht alles gutes über die gelesen. Schade.
    Fazit: Enttäuschung

    operator please
    Unheimliche süße Band (gefühltes Alter: nicht höher als 16). Schrammelgitarren, Punkeinlagen, Quietschekeyboard, Frauen Mädchengesang und eine Violine. Sehr unterhaltsam. Hätte eigentlich viel besser auf eine der Freiluftbühnen gepasst mit dieser gute Laune Musik.
    Fazit: Überraschung, Gut

    Biffy Clyro
    Die geschmackvolle Alternative zu den doch immer gleichklingenden Billy Talent. Schöne, nach vorne treibender Gitarrensound, der aber nie zu gefällig oder durchschaubar wird. Konzert hatte einen nahezu perfekten Spannungsbogen.
    Fazit: Sehr gut. Leider fällt mir eine ordentliche Beschreibung recht schwer. Sollte man einfach mal live gesehen haben.

    Oceansize
    Was für ein wahnsinniger Abschluss. Das Konzert war als ganzes betrachtet, mein deffinitver Höhepunkt des Southsides, obwohl die Akkustik nicht immer 100% gestimmt hat, und gerade bei den ersten Liedern der Gesang viel zu leise abgemischt wurde.
    Grandiose Setlist, vom wabernden, melanchonischen "music for a nurse" bis hin zur Einstampfnummer "homage to a shame".
    Besonderes Schmankerl: Das Publikum. Als die Band ihre Sachen abbaute (soll tatsächlich noch Bands geben die das selber machen) gab es15 Minuten Applaus. Hat mich schon sehr gefreut, wenn man bedenkt wie ansonsten selbst die "großen" Bands nur 2 bis 3 Minuten Pflichtklatschen bekommen, bis die Zugabe kommt. Und die Jungs selber haben dann doch Bauklötze gestaunt, als es einfach nicht leise werden wollte.
    Fazit: Highlight

  • Southside - 2. Tag

    Southside. SAMSTAG.

    The Flyer
    Nette Popsongs mit einem Sänger, der (ein klein wenig) an Depeche mode zu erinnern wusste. Hat man der Band richtig angesehen wie sie sich gefreut haben vor Festival Publikum zu spielen.
    Fazit: ok

    Shy guy at the show
    Fazit: Ich kann mich beim besten willen nicht an das Konzert erinnern

    Enter Shikari
    Was-auch-immer-Core der ordentlich gefetzt hat. Sympathiebonus gabs für die Band, die eine herrliche Kommunikation mit dem Publikum betrieben hat (Klettern auf nicht vorhandenen Leitern und weiterer Blödsinn). Dazu auch noch einige Brechnummern, die doch ordendtlich über dem Härtegrad der sonstigen Southside Bands lagen.
    Fazit
    : Gute Sachen, toll vorgetragen von einer nimmermüden Band

    Kettcar
    Was für eine Setlist, Wahnsinn. Überwiegend Sachen vom ersten und (nach wie vor) besten Kettcar Album, und dazu die mit  Abstand besten Stücke der neueren 2 Alben. Ein sehr begeistertes und textsicheres Publikum. Landungsbrücken nicht als zu erwartende Zugabe sondern schon als 3. Stück, "im Taxi weinen" (hurra), lautstarkes Publikum beim "Balkon gegenüber" und "Deiche" als perfekter Opener.
    Und dazu noch Balu, dessen Kitschfaktor live doch um einiges mitreißender ist als auf Platte.

    Fazit: Highlight

    Tocotronic
    Es war ein herrlicher anblick, wie die Tocos mit "Freiburg" eröffnet haben, und die ganzen harten Monster Magnet und NoFX fans (die schon auf ihre Bands gewartet haben) doch leicht irritiert wirkten von dieser walzenden Nummer, wals sie so garnicht zum Tocotronic Image passte. Bestmöglicher Einstieg.

    Ansonsten das hübsche "hi freaks", und zum Abschluss eine überlange, epische Version von "Explosion".
    Der Rest war auf erwartet hohem Niveau, allerdings war es ein bischen Schade das auf meine Lieblinge des letzten Albums (Ruin, Luft, Harmonie) verzichtet wurde.

    Fazit: Sehr gutes Konzert. Hoffe das sich bald die Möglichkeit anbietet sie wieder (dann zum 3. mal) zu sehen.


    The notwist

    Der Klang war über weite Strecken furchtbar, und beim ersten Stück hat die Band auch ordentlich daneben gegriffen. Gegen Ende zumindest auf dem zu erwartenden hohen Niveau.

    Fazit: Kleine Enttäuschung


    the weakerthans

    Eigentlich bin ich nur mitgekommen weil mir so begeistert von ihnen erzählt wurde, und ich deffinitv keine Lust auf die Beatsteaks oder Jan delay hatte.
    Was für ein wunderschönes, hochsympatisches Konzert. Dazu ein sehr begeistertes, andächtiges Publikum.
    Kam gefühlsmäßig schon sehr nah an das tolle Bright eyes Konzert vom letzten Jahr ran.

    Und das ein ganzes Zelt die Textzeile "I hate Winnipeg" mitgröhlt, obwohl wahrscheinlich niemand jemals in der Stadt war, bringt noch den nötigen Kuriositätsfaktor.
    Fazit
    : Hightlight

    the chemical brothers
    Großartige Licht und Lasereffekte, eine umfangreiche, dabei aber recht fade Videoshow mit sich viel zu oft und viel zu lang wiederholenden Bildern.
    Hauptproblem war aber die vollkommen statische Musik: Man hatte das Gefühl, die drücken am Anfang den Startknopf und vertreiben sich die restliche Zeit des Konzert irgendwie vor ihren Computern.
    Null Dynamik und absolut kein Spannungsbogen.

    Fazit: Enttäuschung

  • Southside 08 - 1. Tag

    Southside. Heute also der erste Teil meines musikalischen Rückblicks auf das Southside.

    FREITAG.

    Wrong Kong
    Ein bischen reingeschaut. Eigentlich eine hübsche Sängerin, die aber dermaßen auf lasziv und sexy macht (zig Varianten der Aussage: "bitte begafft mich wie meine Kleidung im Wind flattert). Die Musik war bestenfalls nette nebenbei Beschallung. Allerbestenfalls.
    Fazit: eher mau

    bat for lashes

    Ja was macht denn so eine großartige Band mit diesem undankbaren Nachmittagsspot. Gott sei dank zumindest im Zelt. Wunderschöne, absolut leidenschaftliche Musik. Stimmungstechnisch wohl irgendwo zwischen Björk und Tori Amos (so weit das möglich ist), aber mit unheimlich originellen (Multi)instrumentalisten. Es wurde dabei nicht auf dieTränendrüse oder den Lachsack (?) gedrückt, sondern stattdessen auf einer durchgehend mysteriösen, unnahbare Distanz gehalten.Bitte mal bei Myspace in "horse and I" reinhören: Link.
    Fazit: Überraschung, kleines Highlight

    Elbow
    Zitat von Dak warum die Musik ihm eher nicht gefällt und mir gefallen müsste: "Ehrliche Whisky-Musik".

    Leider war es dann doch nicht so einfach, weil schlichtweg zu zahnlos und austauschbar. Sicherlich lobenswerter Hybrid aus Country, Songwriter und dem üblichen Indie-Pop, aber als Summe seiner einzelnen Teile leider mit zu wenig Höhen und Tiefen.
    Fazit: Müd

    Calexico
    Unglücklicherweise wurde das großartige "sunken waltz" (Herrje, was für eine Hymne) nicht gespielt,  dafür aber auch auf den schwämmrigen Weicheipop der letzten Alben ("Nada-Surf-nach-den-ersten-2-Alben-SYNDROM") verzichtet.

    Großartige Band, mit schönen Mexiko- und Gangsterballadenanleihen. Der neue Song den sie gespielt haben (Wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht: "silver tree") war dann noch ein kleines Sahnehäubchen in einem schönen Konzert.
    Fazit: Gut

    Razorlight
    Publikumswirksam und eigentich recht sympatisch, wenn auch mit arg aufgesetzter Darbietung (dieser Hang von Frontmännern dem Teeniepublikum die Brust zu präsentieren wird irgendwann hoffentlich noch eingedämmt).
     Haben ja in ihrer relativ kurzen Karriere schon ziemlich viele bekannte Ohrwürmer angesammelt und können es sich schon leisten auf so ein bekanntes Stück wie "who needs love" in ihrer Setlist zu verzichten. Gelegentlich könnte das ganze vielleicht noch eine Spur spritziger und/oder rockiger sein. So sitzt man halt dann doch an der Grenze vom Teenieland fest.
    Fazit: nett


    Flogging Molley
    Besser als alle anderen mir bekannten irischen (oder amerikano-irischen) Punkbands, mit ein bischen mehr Hang zu ernsten Tönen (ein ganz klein wenig zumindest).
    Für die relativ große Besetzung lief dann alles etwas konventionell ab (Punk eben), und über den Verlauf des Konzerts stellte sich bei mir leider auch eine gewisse Übersättigung gegenüber den Miteln ein, an denen sich die Band bediente.
    Fazit: nett

    Black rebel motorcycle club
    Setlist mit quasi nicht vorhandener Reihenfolge, keinem Korrektheitsanspruch und gekürzten Namen:

    666 conducer
    Berlin
    Weapon of choice
    ain't no easy way out
    rock n roll
    shotgun
    need some air
    shuffle your feet
    American X
    spread your love
    neuer Song von den Baby 81 sessions

    Sehr stimmig, und Gott sei dank immer wieder mal mit ruhigen Stücken versetzt, weil ich sonst wahrscheinlich umgeklappt wäre bei den Leuten in der 3. Reihe. Dazu eine Setlist die (fast) keine Wünsche bei mir offen lies und das ganze Spektrum der Motorradtruppe abdeckte. Zum drücken und schwitzen (und dem gelegentlichen Mitgröhlen) gibt es dann fast keine bessere Band.

    Daneben ist mir aufgefallen, das der BRMC die Band ist, die scheinbar kleine Mädels (nicht im Sinne des Alters) wie magisch anzieht. Merkwürdig.
    Fazit: Highlight, dem man auch verzeiht wenn es "einfach mal nur rocken" will



    Radiohead
    Das Dargebotene schwankte zwischen absolut fantastisch, großartig und ganz ok.  Gerade bei meinen Lieblingen (Faust arp, jiggsaw)  vom neuen Album hat der gute Yorke manchmal schon arg am Gesang der Studioversionen vorbeigesungen.
    Mein Lieblingsstück der Band (everything in its right place) wurde tatsächlich gespielt, und war für mich das kompakteste und perfekteste Stück. Auch Reckoner und Idioteque wussten zu gefallen, und paranoid android bei den Zugaben war ebenfalls eine Klasse für sich.
    Die Bühnenshow mit den beleuchteten Röhren war (selbstverständlich) 1A.
    Und trotz ihres Headliner Status war die Band doch mit ziemlich gleichgültigen Publikum gestraft.

    Fazit: Highlight mit leichten Qualitätsschwankungen


  • Marco Benevento - invisible baby

    Album. Lebenszeichen im Vakuumraum eröffnen mit Sätzen, die beinahe immer mit folgendem Formular beliebig variiert werden können:
     Hallo [Freund/Feind/Zufallsbesucher], schön das du hier mal wieder vorbeischaust. Ich hatte die letzte Zeit [viel zu tuen/keine Lust/ Herpes]. Von jetzt an wird wieder verstärkt gebloggt, [versprochen, hoffe ich, bla bla bla]. Als nächstes ein Review über [Randgruppenmusik, Musik, Schubladenmusik, Musik ohne Schubladen, Musik mit Senf].


    Marco Benevento - invisible baby


    oder: Lieblingsplatten 2008, 1. Teil
    oder: Keyboarder macht Musik und hat keine Schubladen im Schrank                             
    oder: das beste Album, das vom deutsch-sprachigen Internet ignoriert wird

    http://i20.photobucket.com/albums/b245/hurga/invisible.jpg

    Gelegentlich gibt es auch für Dauer-Musik-hörende-Nörgler (also mich) noch Liebe auf den ersten Blick. Da hat der olle Benevento auf seiner
    Myspace-Seite das Lied "bus ride" hochgestellt, und nach den ersten Sekunden Synthi-Klängen, Banjo-Schleife und Keyboard-Geklimper ist es dann auch schon um mich geschehen. Als Einstieg für das Album "invisible baby" ist der Titel dann auch gleich mal perfekt gewählt, weil er als einziges der Stücke  eine  fetzige, rockige Dynamik aufbaut. Das wars dann aber auch schon mit der Portion modernem Prog-Rock auf dem Silberling.

    Den typischen Klang von "invisible baby"  lernt  man dann im  2.  Stück (und auch gleich  dem 2. großen Highlight ) kennen. "record book" kombiniert einen  dahin-schwelgenden Einstieg aus Klangteppichen (irgendjemand würde es bestimmt Postrock nennen) mit lässigem Schlagzeug und Keyboard.
    Sowieso: Das ganze Album ist eine Ansammlung von fantastischen Keyboard-Melodien, mal originell und stürmisch ("Atari"), mal einfach unheimlich clever von den Beatles kopiert ("you must be a lion" ist quasi der hübsche Mutantenbruder vom Pilzkopf-Stück "Martha my dear"). Weil das alles relativ schwer in Schubladen passt (im Notfall: Jazz), tut sich auch
    allmusic.com mit den Klassifizierungen schwer, und hat einfach mal 10 (teilweise recht voneinander entfernte) Musikrichtungen aufgeführt, aus denen man sich die gefühlsmäßig passendsten aussuchen darf. Da Originalität allein aber noch kein Garant für gute Unterhaltung ist (leider, leider oftmals sogar zu sehr "bemühtem" Songwriting führt) nochmals die Klarstellung: Das ist unheimlich lockeres, spannendes Zeug. Und wenn das ganze schon mal ein dermaßen passendes Cover hat (siehe oben): Bunt, verträumt und mit einem hübschen Arsch knackig.

    Das längste, epischte Stück ist dann auch gleich mal das unzugänglichste und düsterste. "If you keep asking me" muss zwangsläufig bei den ersten Durchgängen der Skip-Taste zum Opfer fallen, allein weil es von so schönen, knackigen Geschwistern umgeben ist. Dabei ist dieses Moll-Monster ein fantastischer Gegenentwurf zum flockigen Anfang der CD. Langsam, mit leiser,  aber durchaus bedrohlicher Basslinie und äußerst Krummer Tastenarbeit (Solltet ihr eine Musical-Version des Dschungelbuches planen; die Schlange "Ka" wäre hiermit bestens vertont).

    Kuriosität am Rande: Deutsche Internet-Seiten über dieses Album zu finden ist erstaunlich schwierig. Man kann es (fast schon überraschend) einfach über Amazon und Konsorten kaufen, Reviews und Begeisterungsstürme sind hingegen totale Mangelware. In dem Sinne: Reinhören, ich soll ja nicht der einzige sein der seinen Spass daran hat.

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